Wie E-Books, E-Reader, Tablets & Co. den Buchmarkt verändern

In wenigen Tagen – genau genommen am 12.10. beginnt  die diesjährige Frankfurter Buchmesse! Wir sind zwar nicht live Vorort dabei, aber wir nehmen dieses Ereignis zum Anlass und beschäftigen uns die nächsten 2 Wochen auf „ohne tüte“ rund um das Thema Buchhandel, E-Books, E-Reader und Literatur. Wir freuen uns auf einen spannenden Austausch mit euch!
Zur Gesamtsituation des Deutschen Buchmarktes
Werfen wir doch zu Beginn einfach einmal einen Blick auf den dt. Buchmarkt, über den in den letzten Tagen doch vielfach berichtet wurde.
Im Jahr 2010 verzeichnete der dt. Buchmarkt einen Umsatzvolumen von knapp 10 Mrd. € (Endverbraucherpreise). Davon fielen auf den stationären Sortimentsbuchhandel geschätzte 5 Mrd. € also 50% des Gesamtmarktes.
Das stärkste Wachstum verzeichnete wie auch in den vergangenen Jahren der Online-Buchhandel (Teil des Versandbuchhandels), der 2010 ein Umsatzwachstum von 14,1% gegenüber 2009 verzeichnete. Kleiner Wehrmutstropfen: das Wachstum ist im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig (2007 waren es sogar 21,3 %).Damit ist dieser Vertriebskanal nach wie vor der wichtigste im Buchmarkt, gefolgt vom Direktvertrieb der Verlage, der mit einem Anteil von 18,5 % und einem Umsatz von 1,8 Mrd. € knapp vor dem Versandbuchhandel (inkl. Internet 1,7 Mrd. €) liegt. Den Rest des „Kuchens“ teilen sich Warenhäuser und Buchgemeinschaften zu je ca. 0,2 Mrd. € sowie sonstige Verkaufsstellen mit einem Anteil von knapp 10 % (0,91 Mrd.).
Einen Umsatzrückgang von 2,8 % zum Vorjahr musste hingegen der Sortimentsbuchhandel hinnehmen. Dieser ist unter anderem geprägt von Konzentrationsentwicklungen und zeigt sich bisher reserviert gegenüber E-Books und E-Readern. Rund 68% der Buchhändler, die im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Anfang 2011 zu ihrem Sortiment befragt wurden, gaben an, dass weder E-Reader noch E-Books angeboten werden. Bei kleineren Buchhandlungen ist der E-Book/E-Reader Anteil noch niedriger.
Quelle: GfK Panel Services Deutschland im Auftrag des Börsenvereins des Dt. Buchhandels
Die Situation des E-Book Marktes in Deutschland
Kein Wunder also, dass bei diesem geringen Angebot, E-Books bisher gerade einmal 0,5% des gesamten Sortimentbuchhandels ausmachen, rund 21,2 Mio €.
Auch wenn an anderer Stelle von einer zu geringen Nachfrage nach E-Books gesprochen wird – ein dauerhaftes Nachfragewachstum ist ohne ein attraktives Angebot nicht zu erreichen. Bisher setzt sich das Gesamtangebot an E-Books aus über 50% Wissenschaft und Fachbuch zusammen; die auflagenstarke und beliebte Belletristik kommt gerade mal auf 11%.
Quelle: GfK Panel Services Deutschland i.A. des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Ein größeres Angebot dieses Genre würde sicherlich zum Wachstum des E-Book Marktes beitragen, doch selbst damit ist Deutschland noch weit vom Mainstream-Level Amerikas entfernt. E-Books haben dort einen Marktanteil von 8%, was einem Jahresumsatz von 330 Mio. € entspricht (ehlingmedia).
Lässt man einmal die deutlich frühere Einführung von E-Readern (Amazons Kindle – Reader kam 2007 auf den Markt, in Dtl. erst 2009) sowie die höhere Technikaffinität der Amerikaner außer Betracht – beides durchaus relevante Aspekte – dann liegt ein wesentlicher Unterschied in der amerikanischen Vertriebsstruktur von Büchern. Gerade außerhalb der großen Ballungszentren gibt es keine stationären Buchhändler. Die Amerikaner haben eigentlich keine andere Möglichkeit als Bücher digital zu erwerben.
Tablets werden die Zukunft des Buchmarktes verändern
Doch kommen wir zurück zur Situation in Deutschland. Denn es könnte hier Bewegung in den Markt kommen. Vor kurzem erst hat Amazon seinen Kindle Fire vorgestellt, ein E-Reader, der gleichzeitig alle Vorteile eines Tablets mitbringt und das zu einem sensationell günstigen Preis. Aber auch ohne den Kindle Fire wächst der deutsche Markt für E-Reader, wenn auch hinter dem europäischen Durchschnitt. In diesem Jahr wird voraussichtlich ein Wachstum von rund 33% von aktuell 24 Mio auf 31 Mio € erreicht, bei gleichzeitiger Absatzsteigerung um 40% auf 232.000  Stück (Bitkom). Die vergangene Woche brachten auch Weltbild und Hugendubel ihren neuen E-Book Reader 3.0 auf den Markt und meldeten verstärkte Nachfrage nach E-Books und E-Readern seit Beginn des Frühsommers (internetworld.de). Bereits im August verkündete die Buchhandelskette Thalia den Kauf des App-Entwicklers Textunes, welcher aktuell für rund 200 Verlage E-Books für iOS und Android entwickelt. Im Herbst soll dann auch die neue Version des E-Readers OYO mit stärkerem Akku und höherer Speicherkapazität erhältlich sein (internetworld.de).
Quelle: Amazon
Darüber hinaus sind Smartphones und Tablet-PCs auf dem Vormarsch, wie aus kürzlich veröffentlichten Zahlen der Bitkom hervorgeht. Vor allem Tablets werden sich nach Ansicht von Verlagsexperten durchsetzen:
Quelle: GfK Panel Services Deutschland i.A. für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Welchen Einfluss Modelle wie Self-Publishing oder Rebuying auf den deutschen Buchmarkt haben (werden), wollen wir u.a. in den kommenden 2 Wochen mit unseren Lesern und Fans auf ohne tüte in Facebook diskutieren.
Wir freuen uns auf einen regen und spannenden Austausch mit euch!
Hanna Tempelhagen
Advertisements


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s