Crowdfunding – Mit Kleinem Großes schaffen

Crowdfunding ist eine neue Art der Finanzierung. Um es kurz zu machen:  Crowdfunding ist ein Weg für Leute (die „Crowd“) via Internet Ideen und „Bestrebungen“ zu finden in die sie glauben und diese zu finanzieren.

Das Konzept stammt ursprünglich aus den USA und wurde zunächst vor allem bei der Finanzierung von Musikproduktionen eingesetzt. Das amerikanische Portal Kickstarter wurde 2009 gelauncht und stellte einen neuen Weg dar um Kreativität zu fördern. Seitdem wurden über 200 Mio. € für Projekte zugesagt, 1.8 Mio. Menschen haben ihre Projekte vorgestellt und über 20.000 Projekte wurden erfolgreich finanziert. Kickstarter funktioniert nach dem „All or Nothing“ – System: Entweder wird das Finanzierungsziel erreicht und das bis dahin zugesagte Geld nach Ablauf der angegebenen Zeit ausgezahlt oder aber man erhält kein Geld.

Ablauf Crowdfunding

Doch auch in Deutschland entwickelt sich ein schnell wachsender Markt:
Im Jahr 2011 wurden insgesamt 458.000€ in 170 Projekte investiert. Allein im ersten Quartal 2012 liegt dieser Wert schon bei 240.000€, die auf 83 Projekte entfielen. Erfolgreiche Projekte haben im Durchschnitt 45 Unterstützer für sich begeistern können, die sich im Durchschnitt mit 64€ beteiligten. Prognosen für 2012 gehen von einem Finanzierungsvolumen von 1 Mio. € auf den fünf Hauptplattformen (inkubato, my Sherpa, pling, startnext und VisionBakery) aus.

Crowdfunding lohnt sich

Durch Crowdfunding kann eine Idee / ein Start-Up nicht nur finanzielle Hilfe generieren sondern sie erhält gleichzeitig Feedback, baut eine Community auf und gewinnt so an Reichweite und Bekanntheit.
Ein sehr erfolgreiches Projekt in Deutschland war u.a. das Projekt „Hartz IV Möbel“ von Prime Le Van Bo. Mit 442 Fans und 354 Supportern wurde das ursprüngliche Ziel von 5000€ um ca. 260% überfinanziert und hat damit diverse Startnext Rekorde gebrochen. Die damit erreichte Community ist nicht zu verachten.  Der Startnext Blog schreibt dazu: „Wenn man bedenkt, dass Konversationsraten im Internet-Commerce bei 1 bis 3 Prozent liegen, würde dies bedeuten, dass Le Van Bo ca. 17.000 Menschen mit seiner Kampagne erreichen musste, damit diese Anzahl „Buchkäufer und Unterstützer“ zusammenkommen.  Es ist davon auszugehen, dass die Konversationsrate bei seinen Fans höher liegt, vermutlich zwischen 5 und 7 Prozent. Dennoch hat er ein beachtliches Publikum erreicht.“

Als wichtige Regeln für eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne gilt es sich vorher schon um den Aufbau einer Community zu kümmern. Ein informatives und anschauliches Video kann dem Zuschauer leicht das Konzept und eine konkrete Vorstellung vermitteln. Die Unterstützer sollen spüren wie viel Herzblut in der eigenen Idee steckt. Dieses kann auch durch „Dankeschöns“ für die Unterstützenden geschehen. Individuelle „Geschenke“ nach Größe der Spende gestaffelt, ziehen oft Interessenten an, die sich so noch persönlicher beteiligt fühlen. Gerade wenn man die eigene Zielgruppe (gut) kennt, kann dies zu einem starken Plus führen. Generell gilt: Authentizität und Originalität gewinnt.

Crowdfunding als Plattform für jegliche Projekte

Ob Musik, Künstler, gemeinnützige Organisationen oder Vereine – für jeden findet sich die passende Plattform. Die zwei weltweit bekanntesten stammen aus den USA – Kickstarter und Indiegogo. Auf beiden Plattformen ist jegliche Art von Projekten vertreten, doch der Nischenmarkt bildet sich immer weiter aus. Wie genau sich der Markt verteilt und in welche Projekte am meisten investiert wird, ist anhand von Kickstarter in einer Grafik der New York Times sehr anschaulich verdeutlicht.

Die drei größten deutschen Plattformen sind auch eher generalistisch aufgestellt, doch Tedenzen sind erkennbar. Neben diesen gibt es noch viele kleine, die sich auf bestimmte Themen spezialisiert haben. An dieser Stelle gehen wir jedoch auf die drei bekanntesten Plattformen ein.

Startnext ist eine Crowdfunding-Plattform für Kreative, Künstler und Erfinder. Die Plattform ist seit September 2010 online und wurde von der Dresdener IT-Firma tyclipso entwickelt. Bevor das Projekt jedoch auf der Plattform freigegeben wird muss in einer Startphase eine notwendige Anzahl an Fans erreicht werden die abhängig von der gewählten Finanzierungssumme ist. Nach Erreichen der Fananzahl und Ablaufen der dafür verfügbaren 30 Tagen geht das Projekt in die Finanzierungsphase und ist nun offen für die geldliche Unterstützung. Die Plattform ist seit Mai 2011 gemeinnützig d.h. das Geld fließt zu 100% in das jeweilige Projekt.

Mysherpas ist im Gegensatz zu startnext.de keine gemeinnützige Plattform und erhebt eine Bearbeitungsgebühr von 10% bei erfolgreichem Abschluss des Projekts. Auf mysherpas.com findet man kreative und karitative Projekte, sowie Unternehmensgründungen jeder Art.
2011 hat mysherpas.com den Deutschen IPTV Award für das  „Bestes Geschäftsmodell“ gewonnen.

Sowie die anderen beiden Plattformen funktioniert auch Inkubato nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip. Wie bei mysherpas.com muss der Projektinitiator 10% Provision nach erfolgreichem Abschluss an die Plattform zahlen. Das erfolgreichste Projekt bei inkubato hat mit 107% Finanzierung bei 26.991€ abgeschlossen und ist ein „Dokumentarfilm über den Beat der Bar25, der zum Herzschlag eines Lebensgefühls wird.“

Einsatz von Crowdfunding für karitative Einrichtungen und Organisationen

Unter den deutschen Plattformen für Crowdfunding im sozialen Bereich ist Betterplace am bekanntesten. Die Plattform ist gemeinnützig und leitet die Spenden dadurch zu 100% an die jeweiligen Projektbetreiber weiter. Der Betrieb der Plattform wird zum einen durch Zahlungen von Organisationen finanziert, die sich hier präsentieren wollen, und zum anderen durch Spenden von Förderern an eine Stiftung. Um sich als Unterstützer überzeugen zu können, dass die Projekte seriös und gut durchdacht sind gibt es das System des „web of trust“. Sogenannte Projektbesucher und –fürsprecher, die sich das soziale Projekt vor Ort angesehen haben oder die Träger persönlich kennen, können Meinungen, Fotos oder Videos auf der Projektseite posten und bürgen somit gewissermaßen für die Seriosität des Vorhabens. Zudem haben die Unterstützer die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen und somit das System der „Bewertung“ zu komplettieren.

Crowdfunding ist ein komplexes Thema und die Anzahl neuer Start-Ups macht die Übersicht nicht einfacher. Möchte man selber ein Projekt vorstellen und finanzieren lassen, sollte man sich vorher ganz genau umgucken und die passende Plattform für seine Idee finden. Noch ist das Volumen auf dem deutschen Markt ziemlich gering, doch in Prognosen steigend. Wir glauben, dass bei einem Projekt mit Herz und Verstand eine hohe Chance auf Unterstützung besteht.

Allerdings ist Crowdfunding nicht nur für Ideenumsetzer spannend, sondern auch für den Konsumenten. Dieser kann durch seine Unterstützung entscheiden welche Projekte umgesetzt werden und welche in der Versenkung bleiben.  Somit hat er die Macht über gelingen und nicht gelingen, sowie, welche neuen Produkte auf den Markt kommen.
Für Online-Shops kann die Beobachtung der Crowdfunding Plattformen auch interessant sein: neue Trends können herausgefiltert werden bzw. die Beliebtheit einzelner Ideen und Produkte beobachtet oder auch getestet werden. Hinzu kommt das Online-Shops mit den Projektvorstellenden in Kontakt treten könnten um eventuell Produkte frühzeitig oder gar exklusiv in ihrem Shop anzubieten.

Was sind Eure Zukunftsprognosen? Habt Ihr schonmal ein Projekt mitfinanziert oder gar selbst eins finanzieren lassen oder plant vielleicht dies in Zukunft zu tun? Lasst es uns wissen in den Kommentaren oder auf Facebook!

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One Comment on “Crowdfunding – Mit Kleinem Großes schaffen”

  1. Martin Hark sagt:

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich beschäftige mich gerade auch intensiv mit dem Thema der Finanzierung . Finanzierung stellt in erster Linie die Strategie zur Geldmittelaufbringung dar. Es gibt verschiedenste Arten und Formen der Finanzierung. In Unternehmungen kann ein gezieltes Finanzierungsmanagement maßgeblich zur Gesamtunternehmenszielerreichung beitragen. Finanzierung ist nicht immer mit der Aufnahme von Fremdkapital verbunden, vielmehr geht es darum, Prozesse zu optimieren und gezielte Möglichkeiten in der Unternehmenssteuerung auszunützen. Schlussendlich stellt der Bereich der Finanzierung Liquidität zur Verfügung, welche zeitglich die Grundlage für wirtschaftliches Handeln darstellt.


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