Abo-Commerce. Was steckt hinter dem neuen Hype?

Eigentlich keine Zeit, Lust sowieso nicht, viele und laute Geräusche, überall Gedränge und bis man das richtige gefunden hat, sind die Nerven überstrapaziert. In der Stadt shoppen zu gehen kann echt anstrengend sein, erst Recht wenn der ganze Aufwand nur für neue Socken ist, da zu Hause kein zusammenpassendes Paar mehr im Schrank liegt.

Durch Abo-Commerce erübrigt sich dieses Szenario und neben der Zeitersparnis und Bequemlichkeit hat man gleichzeitig noch einen (zumindest vordergründig) finanziellen Vorteil. Alles Aspekte, die den Abo-Commerce für den Konsumenten, insbesondere bei Low-Involvement Produkten, attraktiv machen.

Abo-Commerce funktioniert wie das Wort Abo schon sagt: man meldet sich bei einem Anbieter, der bestimmte Produkte im Abo anbietet, an, bezahlt und bekommt in regelmäßigen Abständen automatisch seine gewünschten Produkte zugeschickt.

Das Wort Abo(nnement) ist seit dem 18 Jahrhundert gebräuchlich und stammt aus dem französischen s’abonner à quelque chose – eine wiederkehrende Leistung bestellen. Einst startete das Abo im Nachrichten Bereich (Zeitungsabonnement) und wurde mit der Zeit auf weitere Bereiche wie Mobilfunk, Öffentliches Verkehrssystem (Bahncard) und Bezahlfernsehsender übertragen. Im Internet ist eine frühe Abo-Variante der RSS Feed und nun Abo-Commerce in seinen verschiedensten Formen.

Der Abo-Commerce im Aufschwung

Obwohl es als einer der großen Trends 2012 ausgeschrieben ist, besteht das System des Abo-Commerce schon seit längerem. Bereits 1999 begann die Schweizer Plattform Blacksocks.com Socken im Abo zu vertreiben.

Neu gestartet ist die Welle in den USA und ist mit der Zeit nach Deutschland übergeschwappt. Allein 22 Start-Ups wurden Anfang März 2012 von deutsche-startups.de vorgestellt.
Man merkt: Produktabos sind wieder stark im Kommen!

Längst haben auch Onlinehändler und Generalisten wie Amazon die Möglichkeit eines Abo-Kaufes in ihr Geschäftsmodell integriert. Hier kann man unter dem Namen „Spar-Abo“ Produkte mit 10% Vergünstigung im Abo erwerben. Das Abo ist flexibel – zu jeder Zeit anpassbar und kündbar.

Für den Händler ist das Abo-System ein lukratives Geschäft, solange das Prinzip des klassischen Modells beibehalten wird: Der Nutzer zahlt per Vorkasse und erhält das Produkt in regelmäßigen Abständen geliefert. Sofern nicht gekündigt wird, verlängert sich das Abo automatisch. Der Händler hat somit den großen Vorteil der Vorauszahlung und der damit einhergehenden genau möglichen Umsatzberechnung und schafft gleichzeitig eine langwährende Kundenbindung.
Auf der anderen Seite stellt dies gleichzeitig eine hohe Einstiegsbarriere dar und immer mehr Anbieter versuchen diese mit dem sogenannten „Soft-Subscription“- Modell zu umgehen um neue Kunden zu akquirieren. Mit diesem Modell gehen jedoch die Vorteile für den Händler verloren, da dieser auf eine feste Laufzeit verzichten sowie eine einfache Stornierung gewährleisten muss. Damit sind die oben genannten Vorteile nicht mehr vorhanden und der vorherige Dauerbesteller wird vorerst zum Einzelbesteller.

Um die Einstiegsbarriere in Abo-Modelle anders zu umgehen, gibt es in den USA den Ansatz das Abo-Model mit Testimonials aufzubauen. Im Fall von Beachmint wurden in den einzelnen Modellen Prominenz mit Expertise gepaart. Clever, da Beachmint einerseits auf die Bekanntheit und somit Reichweite des jeweiligen Prominenten zurückgreifen kann um das Produkt zu promoten und im nächsten Schritt mit Hilfe des Experten das Modell glaubhaft zu verkaufen. Im Bereich Schmuck (JewelMint) werden beispielsweise die Testimonals Kate Bosworth und Star-Stilistin Cher Coulter eingesetzt. Weiterhin gibt es drei weitere Abo-Modelle für die Bereiche Style, Beauty und Schuhe.
Das Unternehmen bekam nicht weniger als 75 Mio. $ Startkapital.

Ob sich das Konzept mit „Soft-Subscription“ halten kann und rentiert, ist fraglich. Eine Studie der KMPG und dem EHI Retail Institute ergab kürzlich, dass 41% der Befragten solche Dienste „bestimmt nicht“ oder „wahrscheinlich“ nicht nutzen wollen. 40% antworteten mit „vielleicht“ und nur 19% der Befragten gaben an, dass sie dieses Modell „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“ nutzen wollen.

Fast alle Nischen auf dem Markt sind schon besetzt
Die Vielzahl der Abo-Commerce Unternehmen und Start-Ups ist unglaublich.
Um einen kleinen Einblick zu ermöglichen, stellen wir Euch an dieser Stelle vier Unternehmen vor, die uns besonders gut gefallen:

Besonders interessant für die weibliche Leserschaft ist der ChicChickClub – ein Schuh Abo! Die Plattform ist ein Copycat des amerikanischen Start-Ups shoedazzle.com. Nach einem kurzen Style-Check wird der eigene Showroom, in dem man monatlich neue Produktvorschläge bekommt, kreiert. Schuhe gibt es ab 19,95€. Hierbei handelt es sich um ein Soft-Subscription Modell, bei dem der Kauf monatlich zurückgestellt werden kann. Nach Ablauf der ersten 8 Monate kann man sich zur Premiummitgliedschaft anmelden in der man Produkte vor anderen einsehen und kaufen kann, einen Rabatt von €5,- auf jedes Produkt im Showroom bekommt und Zugriff auf exklusive Specials und limitierte Kollektionen hat. Die Seite ist gut aufgebaut und was uns besonders gut gefällt: Zu vielen Schuhen gibt es auch die passende Tasche zu erwerben!

Weg von Schuhen und Taschen, geht es über in den Büroalltag. Um sich diesen zu versüßen und gleichzeitig gesund zu gestalten, gibt es das Angebot der bitebox.de. Bitebox sendet dir in jedem Paket vier Mixe, kreiert auf Basis deiner Angaben zu Snack-Vorlieben und den Mixbewertungen.
Die Box wird einmal (optional auch zweimal) die Woche in das Büro geschickt und es besteht jederzeit die Möglichkeit die Bitebox abzubestellen oder einen Urlaubstermin einzutragen, um für die Zeit die Lieferung auszusetzen. Kosten: 4,99€ pro Box.

Für die Kleinen oder Eltern, die nach Inspiration suchen, gibt es die wummelkiste.de. Nach Abschluss des Abonnements (Mindestlaufzeit von einem, drei oder 12 Monaten wählbar) wird monatlich eine neue Box gefüllt mit Materialien zum Basteln, Spielen und Lernen zugeschickt. Die Box ist zugeschnitten auf Kinder von 3-7 Jahren und fördert nach eigenen Angaben die verschiedenen Entwicklungsfelder (Sinne, Sprache, Denken, Bewegung/Motorik und Gefühle) der Kinder in diesem Alter. Die Wummelkiste gibt es ab 16,66€ pro Monat (bei Abschluss des Jahresabonnements).

Last but not least kommen wir zu kommtessen.de, ein Start-Up das sich um all die kümmert, die nicht genug Zeit zum Einkaufen finden oder nach neuen Inspirationen am Küchenherd suchen. Die Essenstüten werden montags geliefert und sind für drei- bis fünf Kochsessions vorgesehen. Ähnlich der Bitebox ist auch hier das Abo ohne Mindestlaufzeit und kann beliebig pausiert oder gekündigt werden. Die mitgelieferten Rezepte sind einfach nachzukochen und so kalkuliert, dass man nicht länger als eine halbe Stunde für die Zubereitung benötigt.

 

 

Zum Abschluss noch ein kleiner Gedanke der uns gekommen ist:
Der Trend des Abo-Commerce und die individualisierten Ansätze, die teilweise mit Curated Shopping verbunden sind, stehen zwar natürlich für Zeiteinsparung und Bequemlichkeit, aber auf der anderen Seite ist es auch die persönliche und individuelle Ansprache die einen dazu neigen lässt solch ein Angebot auszuprobieren (ChicChickCLub, Glossybox usw.). Es gefällt uns, dass ein Unternehmen seinen Verkauf einzig auf einen selber zuschneidet und somit den eigenen Wünschen nachkommt, die Interessen nicht in der Masse untergehen. Wenn man genau überlegt, ist es allerdings genau dieser Wunsch, der nicht erfüllt wird. Der Wunsch nach Individualisierung weicht im letzten Schritt doch der Standardisierung. Wurde nicht das Paket, das der Postbote nach Hause oder ins Büro bringt aus dem gleichen Sortiment wie das tausend anderer ausgesucht? Wird es nicht am gleichen Tag von allen anderen ausgepackt, die alle das gleiche erblicken wie man selbst?

Habt ihr eine Meinung zu Abo-Commerce, habt ihr es vielleicht schon einmal getestet und seid total begeistert oder sogar enttäuscht worden? Kommentare können entweder unten oder auch gerne bei Facebook gepostet werden!

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Das Verkaufen und Erwerben von Marken- und Designermode leicht gemacht – Ein Interview mit dem Start-Up Buddy & Selly

Die reCommerce Plattformen sind zahlreich im Netz vertreten und einige haben wir euch auch schon vorgestellt. In dem Zuge unserer Themenwochen suchen wir immer nach interessanten Start-Ups und sind diesmal schnell fündig geworden: Buddy & Selly, das sich mit dem An- und Verkauf von Marken- und Designermode auseinandersetzt.
Um euch das Start-Up näher vorzustellen, haben wir ein kleines Interview mit Karo (Manager Online Channel) von Buddy & Selly geführt:

Hallo Karo! Du bist mit am Aufbau des neuen reCommerce Start-Ups Buddy & Selly beteiligt. Was genau ist die Idee hinter Buddy & Selly und was ist das Besondere an euch?

Buddy & Selly kauft und verkauft Second Hand Marken- und Designermode. Von privat und für privat. Das klingt zunächst nach klassischem Second Hand – Geschäft, es steckt aber noch ein wenig mehr dahinter.
Das besondere an Buddy & Selly ist, dass wir für den Verkäufer, die Trennung von seinen Kleidungsstücken so einfach wie möglich gestalten.
Wer kennt das nicht? Der Kleiderschrank ist voll, man hat selbst oft zu wenig Zeit die Sachen bei ebay einzustellen. Im Second Hand Geschäft hingegen muss man oft lange auf seine Kommission warten.
Diese Barrieren wollen wir dem aktuellen Besitzer nehmen. Buddy & Selly  kann man die Sachen aus ganz Deutschland per Post zuschicken. In Hamburg kommen wir auch persönlich vorbei um die guten Stücke abzuholen und schon bald öffnet unser erster Ankaufsshop – auch hier in Hamburg. Außerdem bekommt man bei Buddy & Selly sein Geld sofort, also kein langes Warten auf die Kommission.
Den Käufern auf der anderen Seite, wollen wir online ein richtiges Einkaufserlebnis bieten ohne „Second Hand – Beigeschmack“.
Außerdem prüfen wir die Artikel eingehend auf Echtheit und Originalität bevor wir etwas ankaufen und stellen sicher, dass sich alles in einwandfreiem Zustand befindet. So versuchen wir für beide Seiten das Beste rauszuholen: Der Verkäufer hat auf unkompliziertem Weg wieder Platz im Schrank, und der Käufer freut sich über Marken- und Designermode zum smarten Preis.

Ihr startet Euren Verkauf mit einem eBay-Shop und wollt in Kürze einen Ankaufshop in Hamburg eröffnen. Ist Hamburg euer bevorzugtes Pflaster oder sind weitere Shops in anderen Städten bzw. andere Marktplätze im Internet geplant?

Richtig, zunächst starten wir den Verkauf über ebay, halten aber gleichzeitig Ausschau nach anderen geeigneten Marktplätzen. Später könnten wir uns auch gut eine eigene Plattform vorstellen. Dass wir unseren ersten Ankaufsshop in Hamburg eröffnen, hat für uns vor allem logistische Gründe. Hier haben wir unsere Basis und können erste Erfahrungen sammeln. Die Eröffnung in Hamburg soll aber nur der Startschuss für Buddy & Selly in weiteren deutschen Städten sein.

Auf eurer Internetseite wird erwähnt, dass mit jedem Ankauf die Projekte von „Save the Children“ unterstützt werden. Wie genau funktioniert die Kooperation?

Die Kooperation mit „Save The Children“ liegt uns ganz besonders am Herzen. Mit jedem Ankauf den wir tätigen, spenden wir zugunsten der Projekte von „Save the Children“.
Die Gelder werden dort nach Dringlichkeit unterschiedlichen Projekten zugeordnet.

Eine Frage zum Abschluss: Was erwartet ihr vom reCommerce-Markt und was ist deine Einschätzung für die Zukunft?

In der Modeszene ist das Thema reCommerce unter dem Begriff „Vintage“  schon länger verankert. Wir möchten das Thema gerne weiter entwickeln und vor allem professionalisieren. Dies geht auch mit der Ansprache neuer Zielgruppen einher. Und genau da sehen wir auch die Trends für die Zukunft – immer mehr Konsumenten werden sich bei neuen Anschaffungen Gedanken zu Wiederverwendungsmöglichkeiten machen und das weit über Luxusartikel hinaus – vorausgesetzt es ist unkompliziert – für beide Seiten.

Karo, wir danken Dir für das Interview und wünschen Euch für die Zukunft viel Erfolg mit Buddy & Selly!


Jeden Monat eine neue (Probier-) Welt?

Dies könnte man jedenfalls meinen, wenn man sich das Angebot des Dienstes Glossy Box näher betrachtet: Mit der Glossy Box können sich Beauty-Fans für 10 Euro im Monat Luxus-Probiermuster und Neuheiten von Topmarken zuschicken lassen. Ein Abo auf Probierpackungen sozusagen.
Die Seite selbst stellt vor allem die Möglichkeit zum Testen der neuesten Trends heraus:
„Freuen Sie sich jeden Monat auf Ihre GlossyBox mit den neuesten Beautytrends“
Ob das als USP reichen wird, um Kunden zu einem Preis von 10 Euro im Monat dieses Abo abschließen zu lassen? Schließlich handelt es sich um Produkte, die auch gerne mal kostenlos namhafter (Frauen-) Zeitschriften beiliegen. Was sagt Ihr dazu?

Gemeinsam online shoppen geht nicht? Geht doch!

Mit Freunden durch die Stadt ziehen, Kleider anprobieren und sich gleich das Feedback von den Freunden/innen abholen macht Spaß! Leider ging dies im Internet bisher eher schlecht als recht. Die Internet-Plattform Shopwithyourfriends bietet Euch nun die Möglichkeit dazu. Via Chat, Skype und Drag&Drop stellt Ihr mit Euren Freunden eine Collage zusammen und könnt diese nochmals teilen. Wenn Ihr die Produkte Eures Looks gleich haben wollt, gibt es auch eine Shop-Funktion zum Warenkauf.

Editor auf Shopwithyourfriends.com

Das Konzept ist vielversprechend und überzeugt auf den ersten Blick. Es zeigen sich jedoch auch kleine Schwächen. So haben wir im Test festgestellt, dass bei mehr als 2 Shoppern das Gnaze etwas unübersichtlich wird und den Spaßfaktor mindert. Zudem bietet das Tool nur begrenzt die Möglichkeit zum spontanen Shoppen. Da man seine Shoppingfreunde erst Einladung muss, ist nicht gewährleistet, dass diese auch sofort am Start sind. Was ist Euer Eindruck von der Plattform? Teilt in uns mit!

Zum Start von Google+

Kann Google mit seinem Social Network „Google+Facebook von seinem Thron stoßen? Das war eine der großen Fragen, die die Netzwelt letzte Woche beschäftigt haben. Was haltet Ihr von Google+? Eine Übersicht zu den Funktionen des vermeintlichen „Facebook-Killers“ gibt es hier.

Die Startseite des Google-Stores

In diesem Zusammenhang fiel uns jedoch auch etwas zum Thema Online-Shooping ein: Wer sich öffentlich zu seinem Google Fan-Dasein bekennen möchte, der shoppt einfach mal bei Google selbst rein. Würdet Ihr eine Android-Tasse auf dem Frühstückstisch stehen haben, während Ihr Euch bei dem kalten Wetter in den Google-Hoodie kuschelt?