Konsum mal anders: Collaborative Consumption

Frage: Was tun konsumfreudige Menschen im Jahr 2012, wenn sie geldsparend und umweltschonend konsumieren wollen? Antwort: Sie teilen.

Der Begriff „Collaborative Consumption“ tauchte das erste Mal in einer Publikation über Car Sharing auf – und zwar im Jahr 1978! Im Jahr 2010 war es laut dem Time Magazine eine der „10 ideas that will change the world“ und heute ist es ein Trend, der in vielen Bereichen bereits gelebt wird. Aber was ist Collaborative Consumption genau? Der Begriff steht für „den gemeinschaftlichen Konsum und das Teilen von persönlichen Dingen über das Internet“ (gruenderszene.de).  Es geht um die zeitlich begrenzte Nutzung und das Teilen anstatt um den Kauf eines Produktes oder einer Dienstleistung. Dieses neue gesellschaftliche Denken beschäftigt sich also weniger mit der Frage was wir konsumieren, sondern viel mehr damit wie wir es tun.

Das Tauschen und Teilen von Gütern ist keine neue Erfindung, aber durch die heutigen Technologien revolutioniert sich das Prinzip. Durch das Internet werden lokale Barrieren aufgehoben und lokal-gebundene Güter erfahren neue Möglichkeiten durch den Einsatz von mobilen Endgeräten (siehe Carzapp Beispiel).

Collaborative Consumption gibt es mittlerweile in vielen Bereichen unseres Lebens: Von der einfachen Online-Tauschbörse (z.B. www.swap.com) über Sharing-Modelle (z.B. www.car2go.com) bis hin zu ausgefallenen Plattformen wie z.B. www.grubwithus.com, welche Fremde für eine Mahlzeit zusammenbringt.

Wir möchten Euch in diesem Artikel drei unterschiedliche Konzepte aus ganz verschiedenen Bereichen vorstellen:

  1. Prestigegut Auto meets Sharing am Beispiel vom Start-up carzapp.net
  2. Traveling Books am Beispiel von bookmooch.com  und
  3. Tourists meet real homes am Beispiel von airbnb.com

Prestigegut Auto meets Sharing 

Der Trend des „Private Carsharings“ ist ein Geschäftsmodel im Bereich Autovermietung.  Menschen können Autos für einen bestimmten Zeitraum von anderen Privatpersonen mieten. Das Start-up Carzapp „ermöglicht es, Autos zwischen Privatpersonen einfach und sicher zu vermieten. Das spart Geld, schont die Umwelt und macht Spaß.“ (Carzapp.net)

Über ein Online-Portal werden die Besitzer mit den Suchenden vernetzt. Carzapp scheint mit seiner Hardwarelösung ZappKit auch das Problem der Schlüsselübergabe gelöst zu haben. Mit Hilfe der App kann der Autobesitzer festlegen, wer wann berechtigt ist das Auto zu nutzen. Der Mieter kann sein Smartphone wiederum als Autoschlüssel verwenden. Der Autobesitzer verdient mit der Vermietung Geld und über einen Dienstleister, wie Carzapp, ist das Automobil rundum versichert.  Auch für die Umwelt lohnt sich das Teilen des Autos: „Nutzer von Carsharing reduzieren ihren CO2-Ausstoß durchschnittlich um 1 Tonne pro Jahr! Dies entspricht etwa 10% des durchschnittlichen Ausstoßes pro Kopf in Deutschland.“(Carzapp.net) Das Berliner Start-up geht demnächst live. Dann wird sich zeigen ob das Peer-to-Peer-Konzept alltagstauglich ist und sich gegenüber seiner Carsharing-Konkurrenz (wie z.B. car2go) durchsetzen kann.

Traveling Books

BookMooch ist eine Tauschbörse für gebrauchte Bücher. Wenn ein Mitglied ein Buch weggibt erhält er im Gegenzug einen Punkt und kann diesen wiederum für ein anderes Buch auf BookMooch eintauschen. Wenn er das Buch ausgelesen hat, kann er es entweder behalten oder wieder auf die Reise schicken. Die Mitgliedschaft ist zwar kostenlos, allerdings fallen Postgebühren für das Versenden der eigenen Bücher an. Falls man nur Bücher abzugeben hat, kann man seine gesammelten Punkte auch an wohltätige Einrichtungen spenden. So kann zum Beispiel für jeden gespendeten Punkt ein Kind im Krankenhaus ein Buch an sein Bett geliefert bekommen. Die Bücher sind weltweit erhältlich. Für zusätzliche Versandkosten durch große Distanzen zwischen den Mitgliedern erhält der Versender mehr Punkte. Ein weiteres Feature sind die Wunschlisten. Hier können Buchpräferenzen hinterlegt werden und sobald das ersehnte Buch verfügbar ist und ausreichend Punkte vorhanden sind, wird es dem Mitglied automatisch zugesandt. Finanziert wird die Seite durch eine Kopplung an Amazon. Folgt man einem Link zu Amazon – da zum Beispiel das gewünschte Buch nicht auf BookMooch zu finden ist – und kauft es dann im Onlineshop, erhält BookMooch eine Provision. BookMooch hatte 2011 über 200.000 Mitglieder mit steigender Tendenz.

Tourists meet real homes

Die Seite Airbnb vermittelt weltweit private Unterkünfte. Hier ein Video zu dem Konzept. Warum solltest Du dieses Angebot nutzen? Sicherlich ist es nicht nur der Preis, denn nicht jede Unterkunft ist ein Schnäppchen. Es geht um viel mehr: Individualisiertes Reisen, „mittendrin“ anstatt „nur dabei“  sein und natürlich die Chance neue Menschen kennenzulernen. Warum solltest Du deine Wohnung zu Verfügung stellen? Weil Du so Menschen aus aller Welt kennenlernen kannst und gleichzeitig einen finanziellen Vorteil hast.

Airbnb ist eine visuell ansprechende Plattform mit einer zusätzlichen Mobile-Applikation. Der Community-Marktplatz wurde 2008 in San Francisco gegründet und hat bis dato circa 5 Mio. Nächte in über 19.000 Städten und 192 Ländern vermittelt. Nicht zu vergessen ist allerdings, dass es immer eine Portion Vertrauen seitens des Gastgebers und des Gastes braucht.  Was vielleicht vor einigen Jahren noch nicht denkbar war („Ich überlasse völlig Fremden meine Wohnung“), ist heute für viele ganz normal.

Was fällt uns bei den ganzen neuen Angeboten auf? Die Art des Konsumierens ändert sich. Natürlich gibt es immer noch viele Dinge, die wir weiterhin in Onlineshops bzw. im Ladengeschäft kaufen werden. Die neue Sharing-Kultur macht es allerdings nicht mehr nötig, alles zu besitzen was man benutzt.

Was haltet Ihr von der neuen Art des Konsumierens? Konsumiert Ihr lieber „klassisch“ über Onlineshops oder gefällt Euch der Peer-to-Peer Gedanke? Auf unserer Facebook-Seite stellen wir Euch in den folgenden zwei Wochen noch mehr interessante Anbieter für den Alltag oder besondere Anlässe vor. Vielleicht ist ja Eure nächste Lieblingsplattform dabei! Seid gespannt!